Reflexintegration nach Friedrich & Welker (Teil 1)

01. Februar 2020
Was ist die Reflexintegration nach Friedrich & Welker?

Jeder Mensch durchläuft im Mutterleib sowie nach seiner Geburt eine fest vorgegebene motorische Entwicklung des Bewegungsapparates, den sogenannten Aufrichtungsprozess. Unabdingbar miteinander verbunden ist die ebenso evolutionär festgelegte Gehirnreifung. Diese Entwicklung, auch genetischer Bewegungscode genannt, ist gleichzusetzen mit einem internen Fitnesstrainer, der den Fötus bzw. das Neugeborene bei dieser Reifung unterstützt. Ein Fötus sowie dann das Neugeborene können sich noch nicht willentlich bewegen. Sogenannte frühkindliche Reflexe (= interner Trainer) entwickeln in einer festgelegten zeitlichen Reihenfolge den Muskeltonus, um das Kind letztendlich zu willentlichen Bewegungen entgegen der Schwerkraft zu befähigen und ein Körperschema zu entwickeln.

Ein konkretes Beispiel für einen dieser Urreflexe: Wenn man einem Neugeborenen einen Finger in die Hand gibt (also einen taktilen Impuls in der Handinnenfläche gibt), schließen sich die Finger des Babys fest zu einer Faust und (bis zu einem gewissen Alter) öffnen sie sich dann auch nicht mehr. Das ist der Greifreflex. Dieser Reflex ist in erster Linie zuständig für die Entwicklung der Hand- und Fingermotorik, also der Feinmotorik, sowie für die erste Bahnung der Willkür („Will ich – Will ich nicht").

Das Bewegungskonzept der Reflexintegration nach Friedrich & Welker arbeitet mit 17 dieser frühkindlichen Reflexe, die dafür zuständig sind, dass sich ein Baby neuromotorisch entwickeln kann. Dadurch bildet sich der Muskeltonus aus, und somit eine Grundlage des gesamten Bewegungsapparats. Diese Reflexbewegungen haben einen „Lebenszyklus". Sie müssen sich entwickeln, sind dann hoch aktiv und müssen dann in dieser Aktivität wieder gehemmt werden, damit eine willentliche Bewegung stattfinden kann. Spätestens im 4. bis 5. Lebensjahr sollte dieser biologisch festgelegte Prozess abgeschlossen sein, das heißt die automatischen Muskelbewegungen dürfen nicht mehr auftreten.

Probleme entstehen nun, wenn diese Reflexe nicht komplett verschwinden, sondern als nicht steuerbare und immer wieder auslösbare Restmuskelbewegungen bestehen bleiben.

Langfristig kann das zu folgenden Problemen führen:

Wirbelsäulenbeschwerden, Bandscheibenvorfälle, Gelenkprobleme, Beckenschiefstellung, Skoliose, übermäßige Kyphose und Lordose, starke Muskelverspannungen, falsche Körperhaltung, falsche Gelenkstellungen, falsche und unfunktionale Bewegungsmuster, Ungleichgewicht im kompletten myofaszialen Netzwerk, Schwindel, schlechte Körperkoordination, Rechts-Links-Schwäche, Unkoordinierte Grob- und Feinmotorik, Unruhe und Unkonzentriertheit, Lese- und Rechtschreibschwäche, Hyperaktivität, Gleichgewichtsprobleme uvm.

Die Reflexintegration nach Friedrich & Welker ist die eigens, komplett neu entwickelte Methode, diese Reflexmuster zu hemmen, und damit die oben genannten Probleme an der tatsächlichen Ursache zu beheben.

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