Reflexintegration nach Friedrich & Welker® (Teil 2)

01. Februar 2020
Was passiert, wenn ein frühkindlicher Reflex, d.h. eine durch einen Reiz auslösbare Restmuskelbewegung bestehen bleibt? Welche Einflüsse hat das auf unseren Körper und allgemein auf unsere Bewegungen?

Der Landau Reflex trainiert beim Neugeborenen und Baby in Bauchlage die Muskulatur des Kopfgelenkes, des Rückens (Extensoren) und der Beine indem sich der Körper bogenförmig von der Unterlage weg nach oben beugt.
Da der schwerste Teil des Körpers, der Kopf zuerst in seiner Haltung kontrolliert werden muss um das Gleichgewicht und damit das Raumschema entwickeln zu können, muss der motorische Aufrichtungsprozess von oben nach unten verlaufen. In der Aktivitätsphase des Landau Reflexes ist die Bewegung des Oberkörpers noch mit der Bewegung des Unterkörpers gekoppelt.
Wenn nun dieser natürliche Entwicklungsabschnitt (Phase der Bauchlage eines Babys) ausgelassen wird oder diese sensible Phase zu kurz ist, kommt es bereits hier zu einer motorischen und neuronalen Entwicklungsverzögerung, zu einer Unreife im zentralen Nervensystem.
Anders gesagt, die nötige Muskulatur konnte sich nicht ausreichend entwickeln und durch den fehlenden Bewegungsinput entstehen die ersten Kompensationsmomente und ein Einfluss auf das Skelett.

Die daraus resultierenden Folgen für unseren Körper, unser myofasziales Netzwerk und unsere Funktionalität:
Wenn eine Person mit aktivem Landau Reflex in Bauchlage liegt und den Oberkörper/ Kopf anhebt, heben sich reflexartig auch die Beine mit an oder es zeigt sich zumindest eine deutliche Anspannung in der Beinrückseite. Um dieser Reflexbewegung entgegen zu wirken, muss die Person eine Gegenspannung aufbauen, was zu höheren Verspannungen führt und somit auch zu einer zunehmend eingeschränkten Mobilität und Flexibilität. Da ein Reflex immer alle anderen Bewegungen dominiert, muss man ständig kompensieren und bildet so falsche Bewegungsmuster aus. Im Skelettsystem finden sich entsprechend der falschen Muskelspannung auch deutliche Knochenverformungen.

Folgende Auswirkungen (u.a.) hat ein aktiver Landau-Reflex:
- Schwierigkeiten in Bauchlage Kopf und Brust zu heben
- Koordination Ober- und Unterkörper ist schwierig
- Brustschwimmen ist schwer bis gar nicht möglich
- Neigung zum Zehenspitzengang
- Beine sehr angespannt und nach hinten gestreckt

Aufgrund der Tatsache, dass die Beine sehr angespannt und nach hinten gestreckt sind, erkennen Sie auch, welche Auswirkung auf unser gesamtes myofasziales Netzwerk entsteht. Die komplette Körperrückseite (Oberflächliche Rückenlinie) steht vermehrt unter Spannung, was zu einem faszialen Ungleichgewicht zwischen Körpervorder- und Körperrückseite führt und somit die fasziale Integrität verändert. Personen mit einem aktiven Landau-Reflex und einer damit einhergehenden Verspannung der Körperrückseite schneiden auch beim klassischen Toe Touch (Finger-Boden-Abstand) schlechter ab, was wiederum Einfluss auf die ganze Funktionalität und Körpermechanik hat (s. Kniebeugen).

Die massiven Auswirkungen noch aktiver frühkindlichen Reflexe auf unseren Körper und unsere fasziale Einheit dürfen nicht mehr übersehen werden!

Die Reflexintegration nach Friedrich & Welker® ist das notwendige, revolutionäre Fundament für funktionelles und fasziales Training (s. Bewegungspyramide nach Markus Friedrich®). Es ermöglicht wieder korrekte fundamentale Bewegungsmuster und verbessert Mobilitäts- und Stabilitätsprobleme vom Ursprung aus. Dies verändert somit alle weiteren Stufen der Bewegungspyramide in positiver Weise.

Da die Medizin (besonders in der Pädiatrie) immer mehr auf den gravierenden Einfluss von aktiven Reflexen auf die Gesundheit aufmerksam macht, ist es an der Zeit, die Bedeutung der Reflexintegration im Sport und Trainingsbereich für Erwachsene öffentlich zu machen.

Ende 2020 startet die Ausbildungsreihe der Reflexintegration nach Friedrich & Welker®.

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